
Charles Blanc-Gatti. Die Farben des Klangs
Die Schaffensweisen, die der Lausanner Charles Blanc-Gatti (1890 – 1966) entwickelte, um Korrespondenzen zwischen Klängen und Farben herzustellen, sind verschiedener Art und umfassen bildliche Umsetzungen, dynamische Lichtdekorationen und Animationsfilme. Alle seine Werke verfolgen das Ziel, unsere Sinneswahrnehmungen anzuregen und zu bereichern.
Seit seiner Kindheit fühlt sich Charles Blanc-Gatti zur Musik und zugleich zur bildenden Kunst hingezogen. Aufgrund seiner Fähigkeit zur Farb-Geometrie-Synästhesie nimmt er, sobald er Töne hört, vor seinem inneren Auge Farben und Formen wahr. Weder als Maler noch als Geiger absolviert er eine akademische Ausbildung.
Die Ausstellung Les couleurs du son (Die Farben des Klangs) stellt vier Schlüsselmomente seines Werdegangs vor.
Im Jahr 1931 stellt Blanc-Gatti, der inzwischen in Paris lebt, fünfzig abstrakte Werke aus. Es sind bildliche Umsetzungen der Visionen, die ihm beim Anhören klassischer Musik zuteilwerden. 1932 gründet er zusammen mit den Malern Henry Valensi, Gustave Bourgogne und Vito Stracquadaini, die seine Überzeugung vom Vorrang der Musik gegenüber allen anderen Künsten teilen, die Association des artistes musicalistes (Verein der musikalistischen Künstler).
In der Folge interessiert sich Blanc-Gatti für neue Techniken der Bühnenbeleuchtung. Er schafft dynamische Lichtdekorationen, bei denen projiziertes farbiges Licht mit Tönen synchronisiert wird. Seine Recherchen gelten auch der fluoreszierenden Malerei.
Das Bild L’Orchestre – 2e Version ist die Synthese seiner Konzeption einer chromophonischen Produktion; es liefert den Schlüssel zum Verständnis der Schwingungskorrespondenzen, die Blanc-Gatti zwischen Farben und Klängen hergestellt hat. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz Ende 1936 setzt er seine Erkundungen im Filmbereich fort und produziert 1939 mit Chromophonie einen experimentellen Animationsfilm.
Zahlreiche Faktoren können bei Blanc-Gatti Visionen auslösen. Die Blendung durch das Licht – sei es natürlich oder spirituell – ruft Ekstasen hervor, die er in seinen Landschaften des Genfersees und der Walliser Alpen sowie in seinen religiösen Gemälden darstellt.
Kuratorium: Catherine Lepdor, Chefkonservatorin, MCBA, assistiert von Camille de Alencastro, wissenschaftliche Mitarbeiterin, MCBA
Charles Blanc-Gatti, „L’Orchestre - 2ème version“, 1932. Öl auf Sperrholz, 153,3 x 153 cm. MCBA, Erwerb 2026 Foto: MCBA
Publikation
Partner

