
Marina Xenofontos. Play Life
Anhand von Skulpturen, Fundstücken, Schriftstücken und Filmen untersucht Marina Xenofontos die materiellen Erscheinungsformen von Erinnerung und Geschichte. Für ihre Ausstellung im Espace Projet entwickelt die Künstlerin eine Arbeit über die Frage des – realen wie virtuellen – Raums.
Mit präzisen Gesten verleiht Marina Xenofontos den Objekten, die sie umstellt, reproduziert oder verwandelt, ein neues Gewicht und gestaltet zugleich den von ihnen beanspruchten Raum um. Für ihre Ausstellung Play Life erforscht die Künstlerin Fragen der Verdoppelung, die sie an der Schnittstelle zwischen realem und virtuellem Raum erkundet. Ihr Projekt dreht sich um das Videospiel Twice Upon a While (2018–2025), das hier zum ersten Mal in seiner endgültigen Form präsentiert wird und die Besuchenden miteinbezieht. Im Ausstellungsraum beugt und bricht sich die Frage nach Identität oder Fast-Identität, Wahrheit und Falschheit, Authentizität oder Replik, doch nicht in einem Spiel der Dichotomien, sondern in einem Gleiten zwischen Realitätsebenen, gegebenen Kontexten und Verwendungszwecken.
Als vielseitig tätige Bildhauerin interessiert sich Marina Xenofontos für die materiellen Erscheinungsformen von Ideologie und Wissen und stützt sich dabei sowohl auf ihr persönliches Archiv als auch auf den historischen Kontext ihres Heimatlands Zypern. Ihre Skulpturen und Readymades sind für sie greifbare Spuren, dank denen soziale und politische Umbrüche lesbar werden. Sie formuliert es so: «Ich interessiere mich für Materialien, Symbole und Elemente, die nicht notwendigerweise auf formaler Ebene miteinander verbunden, sondern eher durch historische und politische Bezüge ineinander verflochten sind. Dabei kann es sich um Fundobjekte handeln, die ich umgestalte oder abändere, um ihnen eine neue Bedeutung zu geben oder die ihnen eigenen Assoziationen weiter zu verdichten.»
Ausstellungskuratorium: Nicole Schweizer, Konservatorin zeitgenössische Kunst, MCBA
Saalführer© Marina Xenofontos
Biografie
Marina Xenofontos (*1988 in Zypern, lebt und arbeitet zwischen Athen und Limassol) bildet sich nach Studien am Goldsmiths, University of London, am Bard College im Bundesstaat New York zur Bildhauerin aus. Sie ist Artist in Residence der Lafayette Anticipations in Paris (2022) und der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam (2018–2019).
Unter ihren jüngsten und anstehenden Einzelausstellungen sind zu nennen: It Rests to the Bones, Cyprus Pavilion, 61. Venedig Biennale (2026); Things We Lost, Kunstverein Gartenhaus, Wien (2025); View From Somewhere Near, Kunstverein Hamburg (2024); In Practice, SculptureCenter, New York (2023); Public Domain, Camden Art Centre, London (2023); Carousel, AKWA IBOM, Athen (2022); I heard that there are many things in life that we can go beyond, La Plage, Paris (2022) und I Don’t Sleep, I Dream, The Island Club, Limassol (2021). Für ihre Präsentation an der Frieze London 2022 wurde sie mit dem Camden Art Centre Emerging Artist Prize ausgezeichnet.
Xenofontos zählt zu den Gründungsmitgliedern des Kollektivs und des Artist-Run-Space Neoterismoi Toumazou in Nikosia (Zypern).